Es hätte auch Mayonnaise sein können

Speckbert Rupprechter, Bruder des tiroler ÖVP-Granden Andrä, saß dereinst auf seiner Terrasse und spielte mit seinem roten Ball. Speckbert war das jüngste der Rupprechter-Kinder und, wie man so sagt, ein bisschen so etwas wie das schwarze Schaf in der Familie. Nicht, dass er irgendetwas grob illegales, gemeines oder gar verbotenes getan hätte, er war nur stets der letzte der heimging und der Erste, der an der Flasche Wein nuckelte. Beruflich war es ihm nicht gelungen an die Erfolge seiner Brüder anzuschließen, er hangelte sich von Job zu Job und nutzte seine Freizeit vor allem um Premium-Klebstoff zu schnüffeln. Premium-Klebstoff, weil einfacher Uhu dann irgendwie doch zu wenig war.

So saß er nun an diesem lauen Herbstmorgen auf der Terrasse und warf den Ball gegen die Wand, nur um ihn dann Augenblicke später wieder zu fangen, ein bisschen traurig war sein Gesichtsausdruck dabei. Endgeil, war etwas anderes. Seine Frau Klosetta-Stone Rupprechter war es, die ihn in seiner Kontemplation störte: “Himmi, Kreiz, Schneizen! Specki, host as scho ghert? Der Ausländeranteil in Imscht is wieder g’stiegen. Um 400 Prozent!”

Flugs warf er seinen Ball zur Seite, vergaß sein Fruchtkäse-Quargeldessert völlig und eilte die Außentreppe seines fürstlichen Anwesens hinunter zum Rupprechter-Mobil. Auf halbem Wege verlor er das Gleichgewicht und knickte mit dem rechten Knie um, worauf hin dieses in tausende Splitter zerbarst. Jahrzehnte lange Kinder- und Enkelkinder-Arthritis hatte seine Knochen und Gelenke mürbe gemacht.

So lag er nun da, das Knie offen, blutend, Knochensplitter überall und blickte mit schmerzverzerrtem Gesicht in den Herbsthimmel. Er war ganz bei sich, ganz wach, der Schock ließ ihn nicht in die Apathie driften. Da ahnte er schon, dass es vielleicht seine letzten Atemzüge sein würden, er schloss die Augen und wünschte sich von ganzem Herzen einen letzten Regenbogen, bevor er das Zeitliche segnen sollte. Da kam plötzlich aus einem Hinterhalt Andrä Rupprechter und schiss ihm voll über das Gesicht, eine riesen Sauerei!

Ende.

 

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Professional circus clown turned Liberal Arts major and anarchist.

Posted in Deutsch, Short Stories

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