Was auch passierte

“Oh du schöne Welt! Du wunderbare Welt du, wie schön du nicht bist, Welt! Ah, was bin ich froh, in dieser Welt leben zu dürfen, wie SCHÖN NICHT ALLES IST!”, beginnt GregorIn schon fast zu brüllen. Seine Eltern sind eingefleischte Grüne und hatten ihm doch glatt ein Binnen-I verpasst bei der Namensgebung. Schon seit seiner frühen Kindheit wurde er gezwungen auch gelegentlich Mädchenkleidung zu tragen und in seiner Pubertät wurde ihm durch künstliche Frauenhormone die Periode zuteil. Heute schreibt er Aufsätze für eine rechtsextreme Zeitschrift und nimmt Opium.

“SCHÖNE WELT!!!! Ò__ó!!!”, schreit er abermals in einer weiblich-männlichen Stimme, um seinem Drogenrausch Ausdruck zu verleihen. Überhaupt verleiht er sehr gerne Dinge, wie zum Beispiel Kassettenrekorder oder Tennisschläger. Einmal verlieh er sogar einen Orden, das war für alle Beteiligten ein widerliches Erlebnis. Er hat einen Hund, den er regelmäßig unter’s Messer legen lässt, da er sich für kein Geschlecht entscheiden kann. Der Hund, beziehungsweise momentan die Hündin, nimmt ebenfalls Opium und ist auch meistens für die Beschaffung der Droge zuständig. Auf sie ist Verlass, wenn es um krumme Geschäfte geht. Sie hört auf den Namen Weinhilde, sowie auf Friedbert.

Momentan wird es sogar Weinhilde zu viel und sie legt sich in die Badewanne, um dem Lärm aus dem Weg zu gehen. GregorIn kreischt mittlerweile nur noch, er liegt auf dem Teppich im Wohn-/Schlafzimmer und versucht den Tisch zu umarmen. Der Fernseher liegt eingeschaltet am Boden neben ihm, das beruhigt GregorIn zutiefst. Aufrichtig bedankt er sich bei dem Gerät und verleiht seine letzte Schlafgarnitur an den bedürftigen Nachbarn Hein. Dann schläft er sich erstmal ordentlich aus, im Küchenschrank, wo einmal das Kochgeschirr war.

GregorIns Zeit ist vorbei, sein Körper schwach, seine Einrichtung verliehen und den Restbestand an Kassettenrekordern nimmt ihm keiner mehr ab. Weinhilde verabschiedet sich von ihm und hinterlässt die drei Kinder, im Alter von drei bis sieben Jahren. Die Schulden bleiben GregorIn auch erhalten, wie unfair die Welt nicht ist. “Buuhuuuuhuuuu.”, ertönt es aus dem Schrank im Bad, wo er sich tagsüber gerne aufhält. Die Kinder spielen “Hau den Fernseher kaputt” und sie spielen gut. GregorIn geht daraufhin an die Börse mit seiner eben gegründeten Firma. Er macht Milliarden und beginnt mit einem nebenbei erfundenem Hyperspeed-Modul eine Weltraumreise, um den ganzen Schund hinter sich zu lassen.

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Posted in Deutsch, Short Stories

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